Fliesen kaufen: welche Angabe auf dem Etikett wirklich zählt

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Auf einer Fliesenverpackung stehen ein Dutzend Angaben, von denen für Ihren Einsatz drei oder vier zählen. Welche das sind, hängt davon ab, wo die Fliese liegen soll: Abriebklasse für Böden, Rutschhemmung für nasse Bereiche, Frostbeständigkeit für draußen.

Fliesenmuster verschiedener Oberflächen an eine helle Wand gelehnt

Die kurze Antwort

Für einen Wohnraumboden brauchen Sie eine Bodenfliese mit ausreichender Abriebklasse. Für ein Bad kommt die Rutschhemmung dazu. Für draußen Frostbeständigkeit und eine ausreichende Dicke. Alles andere, von der Rektifizierung bis zur Farbnuance, ist Optik und Verarbeitungskomfort, nicht Eignung.

Steingut, Steinzeug, Feinsteinzeug

Der wichtigste Unterschied ist die Wasseraufnahme der Scherbe, also des Fliesenkörpers unter der Glasur.

Steingut nimmt viel Wasser auf, ist weich und wird ausschließlich als Wandfliese im Innenbereich verwendet. Es lässt sich leicht schneiden, verträgt aber keine mechanische Belastung von oben.

Steinzeug nimmt deutlich weniger Wasser auf und ist als Bodenfliese geeignet.

Feinsteinzeug ist bei sehr hoher Temperatur gebrannt und praktisch dicht. Es ist der Standard für Böden, für Nassbereiche und für außen, weil eine Scherbe, die kein Wasser aufnimmt, auch nicht durch gefrierendes Wasser gesprengt werden kann.

Feinsteinzeug gibt es glasiert und unglasiert. Unglasiert und durchgefärbt bedeutet: der Farbton reicht durch die ganze Scherbe, ein Kantenabplatzer fällt weniger auf. Glasiert bedeutet mehr gestalterische Freiheit an der Oberfläche.

Abriebklasse: für Böden

Bei glasierten Fliesen beschreibt die Abriebklasse, wie widerstandsfähig die Glasur gegen Verschleiß durch Begehen ist. Die Skala reicht von 1 bis 5, oft mit dem Kürzel PEI angegeben.

Als grobe Zuordnung, wie sie Hersteller angeben:

  • 1 und 2 nur für Bereiche mit sehr geringer Begehung, etwa ein Bad ohne Straßenschuhe. In der Praxis kaum noch relevant.
  • 3 für normal genutzte Wohnräume ohne direkten Zugang von draußen.
  • 4 für stark begangene Wohnbereiche, Küche, Flur, Diele. Das ist der sinnvolle Standard für die meisten Renovierungen.
  • 5 für gewerbliche Nutzung.

Wandfliesen tragen keine sinnvolle Abriebklasse, weil niemand auf ihnen läuft. Eine Bodenfliese kann an der Wand liegen, eine Wandfliese nicht auf dem Boden.

Rutschhemmung: für nasse und fettige Bereiche

Es gibt zwei getrennte Bewertungen, die oft verwechselt werden.

R9 bis R13 nach DIN 51130 beschreibt die Rutschhemmung für Bereiche, die mit Schuhen begangen werden. Die Prüfung erfolgt auf einer schiefen Ebene mit Öl. R9 ist die niedrigste Stufe, R13 die höchste.

A, B und C nach DIN 51097 beschreibt Barfußbereiche und wird mit Wasser geprüft. B ist die übliche Stufe für Duschen und Beckenumgänge.

Für private Bäder schreibt niemand eine Stufe vor. Als praktische Orientierung nennen Hersteller für private Nassbereiche häufig R10 und für den Duschbereich zusätzlich B. Beachten Sie den Zielkonflikt: je griffiger die Oberfläche, desto aufwendiger die Reinigung, weil sich Schmutz in der Struktur hält.

Für gewerbliche Räume, Arbeitsräume und öffentliche Barfußbereiche gelten verbindliche Vorgaben aus dem Regelwerk der Unfallversicherungsträger. Wenn Sie gewerblich bauen, ist das keine Geschmacksfrage.

Frostbeständigkeit: für draußen

Frostbeständig ist eine Fliese, deren Scherbe so wenig Wasser aufnimmt, dass gefrierendes Wasser sie nicht sprengt. Praktisch bedeutet das: Feinsteinzeug. Achten Sie zusätzlich auf die Dicke. Für Terrassen gibt es Platten von 20 Millimetern, die lose auf Splitt oder Stelzlagern verlegt werden können.

Frostbeständig ist nicht dasselbe wie rutschsicher und nicht dasselbe wie tausalzbeständig. Für den Außenbereich siehe Fliesen im Außenbereich.

Kaliber und Rektifizierung

Fliesen schwinden beim Brennen unterschiedlich. Deshalb werden sie nach dem Brand in Größengruppen sortiert, das ist das Kaliber. Auf dem Karton steht eine Kalibernummer. Zwei Kartons derselben Serie mit unterschiedlichem Kaliber passen nicht sauber ins gleiche Fugenbild.

Praktische Folge: kaufen Sie die gesamte Menge inklusive Verschnitt und Reserve in einem Zug und prüfen Sie beim Auspacken, dass Kaliber- und Chargennummer auf allen Kartons übereinstimmen.

Rektifiziert heißt, dass die Kanten nach dem Brand exakt nachgeschnitten wurden. Solche Fliesen erlauben sehr schmale Fugen und wirken ruhiger. Sie verzeihen dafür weniger: ein unebener Untergrund fällt bei schmalen Fugen sofort auf, und die scharfen Kanten sind stoßempfindlicher.

Was Sie beim Kauf konkret prüfen

  • Ist es eine Bodenfliese, wenn sie auf den Boden soll?
  • Passt die Abriebklasse zur Nutzung des Raums?
  • Passt die Rutschhemmung zum Einsatz, ohne die Reinigung unzumutbar zu machen?
  • Für draußen: frostbeständig, ausreichend dick?
  • Reicht die bestellte Menge inklusive Verschnitt und Reserve?
  • Stimmen Kaliber und Charge über alle Kartons?
  • Liegt ein Verlegehinweis des Herstellers bei, und deckt er Ihren Untergrund ab?

Wie viel Sie bestellen müssen, rechnet der Fliesenrechner. Was das Ganze ungefähr kostet, steht unter Kosten pro Quadratmeter.

Online oder im Handel

Onlineshops sind bei Standardware oft günstiger und liefern auf Palette. Sie sehen die Fliese vorher nicht: Farbton, Oberflächenstruktur und Glanzgrad wirken auf einem Bildschirm anders als im Raum. Musterfliesen zu bestellen kostet wenig und beantwortet die Frage.

Der stationäre Handel und die Ausstellung eines Fliesenlegerbetriebs haben den Vorteil, dass Sie die Fläche sehen und die Beratung an ein konkretes Objekt gebunden ist. Prüfen Sie in beiden Fällen die Lieferzeit: Serien laufen aus, und eine Nachlieferung kann Wochen dauern.

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